Posted by: sinappi | 4 October, 2007

Sprachprobleme zum Tag der Deutschen Einheit!

So, gestern war ja Tag der Deutschen Einheit! Also nütze ich mal den feierlichen Anlass, um ein wenig aus dem Leben eines kleinen Heidi’s im grossen Deutschland zu berichten!

Was ist eigentlich der grösste Unterschied zwischen Deutschland und der Schweiz?

In bestimmten Momenten, ist der Flughafen einfach der absolut beste Arbeitsplatz der Welt. Zum Beispiel, beim Mittagessen in der „Verwaltungskantine“. Da hat man eine fantastische Aussicht über die Runaways und Gates. Also schaue ich mir träumend die ganzen Flugzeuge an, werde aber mit einer berühmten Frage aus meinen Gedanken gerissen:

Was ist eigentlich der grösste Unterschied zwischen Deutschland und der Schweiz?

Das wird so oft gefragt. Und macht ja auch Sinn, schliesslich gibt es da auf den ersten Blick keine grossen Unterschiede, abgesehen von der Geografie ist das Leben doch schon ziemlich gleich. Meine Standartantwort ist wohl eher schwer zu verstehen für Deutsche. Für mich ist der grösste Unterschied nämlich gleichzeitig das, was uns so verbindet: nämlich die Sprache. Oder die Art, wie man sich halt ausdrückt. Ich finde in der Schweiz sagt man viel öfters „Danke“, „Bitte“ oder „Entschuldigung“. In Deutschland ist man da irgendwie direkter, macht aber vielleicht auf Schweizer einen etwas unfreundlichen Eindruck. Mir wurde sogar schon bei der Arbeit gesagt ich solle mich nicht die ganze Zeit bedanken! Ausserdem ist es komisch an einer Kasse oder beim Bäcker „Tschüss“ zu sagen, weil es doch eigentlich „Adieu“ sein sollte weil „Adieu“ einfach höflicher ist als „Tschüss“! Hach, bin ich gut erzogen oder? ;)

Zu „unfreundlichen“ Deutschen muss ich einfach die Frankfurter S-Bahn erwähnen! Schliesslich habe ich langjährige Zug-fahren-Erfahrung, 3 Jahre lang „Mittelstrecke“ Zürich-Lenzburg, 1.5 Jahre lang „Langstrecke“ Sierre-Zürich und jetzt seit 3 Monaten „Kurzstrecke“ Raunheim-Frankfurt Flughafen. Deutsche halten sich selbst ja gemäss einer Umfrage für das ordentlichste Volk der Welt. Dann bitte, bitte ordnet mal dieses S-Bahn Chaos! Man weiss nie was einem erwartet: entweder beginnt es mit „einigen Minuten Verspätung“, die sich dann aber meist bis zu „20 Minuten Verspätung“ steigert, oder der Zug fällt einfach aus. Oder, er ist super pünktlich, und das natürlich immer im falschen Zeitpunkt! Alle Durchsagen in der S-Bahn kommen nicht vom Band. „Nächster Halt Kelsterbach, Ausstieg rechts“. Ich frage mich immer warum man mir sagen muss auf welcher Seite ich Aussteigen muss? Aber das Beste ist im Bahnhof, wenn der Zug wieder weiterfahren soll: „Zug fährt ab. Eiinnsteiiigeeennnnnnn!“. Für meine schweizer Ohren fehlt da einfach ganz klar das „Bitte“. Manchmal komme ich mir wirklich angeschrieen vor, aber mittlerweile finde ich es auch lustig.

Solange man nicht am Bahnsteig höchst unfreundlich zum Einsteigen aufgefordert wird, sind Deutsche aber doch sehr nett. Und sogar an der Schweiz interessiert. Neben dem ganzen üblichen wie:

• Jeder hat ja eine Waffe Zuhause oder???
• Immer schön neutral bleiben…
• Ich habe ein Armeemesser!
• Wie war das mit dem Bankgeheimnis?

Werde ich auch ganz oft nach meiner Meinung über die vielen Deutschen die in die Schweiz auswandern gefragt! Hier liest man auch oft in den Zeitungen Berichte, dass die Deutschen mittlerweile überhaupt nicht mehr willkommen sind.

Oder lustige Sachen wie: „Du sprichst ja perfekt Deutsch???“, „Stimmt es, Schweizer putzen sich immer nach jedem Essen sofort die Zähne???“

Aber um bei meinem Thema Sprache zu bleiben. Nach bald vier Monaten habe ich leider immer noch das Gefühl, dass mein „Hochdeutsch“ einfach nicht besser wird! Natürlich kann man sich problemlos verständigen. Aber da ist immer so ein Unterschied. Und diese Helvetismen. Mein Liebling ist ja „Estrich“. Mein Mitbewohner: „Hä??? Oben im Estrich?? Estrich ist wohl in Deutschland so etwas wie ein Keller!

Kann man als Schweizer überhaupt jemals „richtiges“ Hochdeutsch sprechen? Wir können das doch, wenn wir „wollen“ und es „absichtlich“ tun. Aber dann so im ganz normalen Alltag kommt da irgendwie immer wieder dieser Akzent rein! Vielleicht sollten wir einfach alles umdrehen! Anstatt sich mit „Schriftdeutsch“ herumzuschlagen, lernen die Deutsch einfach ein paar Helvetismen! Dann fällt bestimmt auch das Auswandern in die Schweiz leichter! Deshalb hier ein paar meiner Lieblings-Helvetismen zu Anfang (und in diesem Blog findet man bestimmt auch hunderte davon!):

abmachen, “wir machen morgen ab”: “wir treffen uns morgen”
anläuten: anrufen – “Lüetsch mi uf mim Natel a?” (“Rufst Du mich am Handy an?”)
aufgestellt: fröhlich
Billet: Fahrschein
krampfen: hart arbeiten
lädelen: shoppen
Nastuch: Taschentuch
Peperoni: Paprika (JAAAA!!!!!!!!!!)
Plausch: Vergnügen, Spaß; einen Plausch haben
tönen: sich anhören – etwas tönt gut: etwas hört sich gut an

Versteht irgendjemand eigentlich was ich mit diesem „Sprachen-Ding“ sagen will? ;)

Ich glaube mein Mitarbeiter von der Kantine hat mich nicht so ganz verstanden. Jedenfalls gab es da keine weitern Fragen dazu. Auf dem Runaway steht jetzt eine Swiss. Nein, ich möchte noch nicht da drin sitzen. Ich bin ganz froh hier zu sein.

Ich mag Deutschland, und deutsches Käsebrötchen… und hoffe, dass alle einen tollen Tag der Deutschen Einheit hatten!


Responses

  1. Sina ich kann dich beruhigen, auch nach 271 Tagen mit deutschen Kunden, bringe ich immer noch kein schoenes Hochdeutsch hin. Am Flughafen sagen ich meistens herzlich willkommen auf Borneo und dann kommt schon die Frage, sind sie aus der Schweiz…nachdem mir auch schon Sprachschule empfohlen wurde (ich glaube die Dame braucht einen Ohrenarzt…) mache ich mir schon manchmal gedanken und bemuehe mich um eine gepflogene Aussprache (5 min pro Tag) Einmal habe ich mich sogar auf Diskussionen eingelassen mit Kunden, die haben sich fast zu Tode gelacht, das ich gestummen anstatt gestimmt gesagt habe…obwohl ich heute noch finde, das gestummen besser klingt…

    Gruesse aus Kuching von Sprachbarrieren Bridget

  2. Hallo,

    wirklich lustig.
    Als deutscher Leser muss ich zustimmen – “Estrich” ist tatsaechlich der absolute Favorit:
    Im Gespraech mit schweizer Freunden, haben diese immer sehr gestuzt, wenn wir ihnen von unserer Fussboden-Renovierung erzaehlten und dabei erwaehnt haben, dass wir unseren Estrich abschleifen mussten, um ihn vom Teppich-Kleber zu befreien! Natuerlich, hatten wir keine Ahnung weshalb da ein hoerbares Verbluefft-Sein im Telefongespraech zu erkennen war, bis wir sie einmal in der Schweiz und in Ihrem Haus besuchten und uns dort erklaert wurde, dass das Haus keinen Estrich haette. Nun war es unsere Zeit verbluefft drein zu schauen, denn der Fussboden im Haus sah eigentlich ganz normal aus! Es hat sich dann herausgestellt, dass in der Schweiz “Estrich” Dachboden bedeutet, waehrend in Deutschland, damit die zement-artige Masse gemeint ist, die den Fussboden in modernen Haeusern bildet!!

    Gruesse,
    Stefan

  3. Hallo Stefan,

    Danke für deinen Comment! Und danke für deine Erklärung, dann ist ja jetzt alles klar zum Thema Estrich!

    (Juhu ich habe noch einen weiteren Leser aus Deutschland neben der “Schönen”) ;)

    Liebe Grüsse
    Sina


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